Silvester-Rennen mit dem Zürcher Kammerorchester im KKL Luzern von Max Thürig

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Zürcher-Kammerochester Foto Harald Hoffmann

Jahreswechsel! Eigentlich etwas sehr Vertrautes! Für viele Menschen ist dies der Zeitpunkt um Vergangenes abzulegen und sich für das Kommende neue Vorsätze zu fassen.

Bevor ich mir Gedanken zum kommenden Jahr machen wollte, liess ich mich vom musikalischen Programm des Zürcher Kammerorchesters begeistern, welches dieses Jahr ihr hochstehendes Konzert den vier Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer widmete.

Flamme Rouge

Spaziergang über die wehnachtlich illuminierte Seebrücke zum KKL

Voller Vorfreude – aber ohne spezifische Erwartungen – nahm ich meinen Platz ein und genoss den Moment, trotz der momentan pandemiebedingten heiklen Situation hier in diesem magischen Saal zu sitzen. Ein Blick auf die Bühne offenbarte mir, dass die Zeit und die Technik auch hier nicht Halt gemacht haben, durfte ich doch feststellen, dass das eher mühsame Notenblättern durch ein digitales Noten-Tablet ersetzt wurde! Im Hintergrund leuchteten rote Scheinwerfer die weisse Wand sequentiell an, was mich unweigerlich an die «Flamme Rouge» bei den Radrennen erinnerte, was ja auch auf den Jahresschluss hindeutet, zeigt doch dieser «Teufelslappen» allen Teilnehmenden an, dass der letzte Kilometer des Rennens begonnen hat. So liess ich mich auf das Experiment ein, mich während des Konzerts an einem Strassenradrennen zu wähnen…

Tour de Silvestre

Luzerner Seebecken von der Seebrücke aus gesehen Richtung Hotel Schweizerhof

Das Orchester ist startbereit aufgestellt und wartet auf die Rennfreigabe der «Tour de Silvestre» durch die Rennleitung. Die ersten Klänge aus «Les Eléments – Symphonie nouvelle» von Jean-Féry Rebel führten mich in eine chaotische Welt. Anscheinend ungeordnet nimmt das Ganze Fahrt auf und wird durch die verschiedenen Teams (Instrumentalgruppen) in geordnete Bahnen gelenkt. Einzelne Instrument (Flöte, Oboe) übernehmen die Führungsarbeit und bestimmen den Fahrplan des Pelotons. Erste Kraftspielchen werden offenbar und die Stars des Rennens stellen sich in Position. So lässt beispielsweise der Mannschaftskapitän Maurice Steger mit seiner Blockflöte die Muskeln spielen und zeigt, wer eigentlich das Sagen im Feld hat. Damit er aber all seine Kräfte nicht vorzeitigt verpufft, wird er von einer Edelhelferin unterstützt. Kaum merklich setze sich die Walliser Sopranistin Rachel Harnisch in Szene. Sie betritt die Bühne von der Seite, mischt sich unter das Peloton und übernimmt die Führungsaufgabe. Ihr folgt das Team des Kapitäns in beeindruckender Art und Weise und unterstützt sie in ihrer hochstehenden Arbeit grandios – ja ich habe sogar den Eindruck, dass einzelne Mitfahrer sich geradezu in eine Spielfreude steigern, die sich auch in einer speziell lockeren Körperhaltung zeigt!

Anmutige Landschaften vor dem Schlussspurt

Maurice-Steger-Foto-Marco-Borggreve

Nach einer kurzen entspannten Bummelphase (Pause) in der sich das ganze Feld hinter den Kulissen stärken konnte, nimmt die Tour de Silvestre wieder Fahrt auf und der Kapitän übernimmt mit seinem grandiosen Spiel auf der Flöte das Szepter und zeigt unmissverständlich, wer der absolute Star des Abends ist. Mit einer Leichtigkeit, die schon fast mirakulös anmutet, spielt er sich in die Herzen der begeisterten Zuschauer, überwindet alle musikalischen Hürden problemlos, als würden sie gar nicht existieren, fordert mit einem kurzfristig ausgerufenen Strategiewechsel  (Programmumstellung) auch von seinen Mitfahrern und Helfern alles ab und lässt uns mit wunderschönen, sinnlich anmutenden Melodien und Texten Franz Lehar’s durch anmutige Landschaften – angeführt von der Sopranistin als bestimmende Edelhelferin – gleiten. Dieses Feuerwerk der Sängerin leitet den Schlussspurt nach dem Passieren der Flamme Rouge ein und hält die Spannung bis zum Rennschluss aufrecht. Der tosende Applaus ist der Lohn für das gebotene Konzert der Superlative und weil es so schön war, soll der Zielfilm den Schlussspurt nochmals im Detail zeigen, was mit der Wiederholung des Stücks von Lehar als Zugabe perfekt umgesetzt wurde!

Rachel Harnisch im Opernhaus Zürich Foto Rene Ruis

Nachdem die Akteure den Lohn für ihre Topleistung in Form eines frenetisch gespendeten Applauses einstecken konnten, löste sich der Fahrertross auf. Ich wechselte von der virtuellen Tour de Silvestre ins reale Leben und freute mich, den Jahresausklang im Kreis einer freundschaftlichen Umgebung zu verbringen!

Link auf den Konzertbericht von Léonard Wüst:

innerschweizonline.ch/wordpress/zko-silvesterkonzert-2021vier-elemente-mit-kkl-luzern-besucht-von-leonard-wuest/

Text: www.maxthuerig.ch

Fotos:  www.zko.ch

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Dieser Beitrag wurde am von unter kolumnen meiner gastkolumnisten, musik/theater/ausstellungen, schweizweit veröffentlicht.

Über Leonard Wüst

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