Kodo One Earth Tour 2026 «LUMINANCE», KKL Luzern, 11. März 2026, besucht von Léonard Wüst

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Kodo Szenenfoto ab Website Kodo

Kodo, Szenenfoto von Maria Ulrich

Kodo Szenenfoto ab Website Kodo

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Kodo, die magischen Trommler aus Japan, mit neuem Programm «LUMINANCE»
Mit «LUMINANCE» bringen Kodo, die japanische Kult-Formation, die kraftvolle Energie des Taiko-Trommelns zurück auf die Bühne und verwandeln Alltägliches in leuchtende Klangwelten.

Kodo im KKL Luzern – Das Donnern der Welt in einem Herzschlag

Kodo Szenenfoto ab Website allblues

Ein gewaltiger Puls durchzieht den Konzertsaal.
Die japanische Taiko Formation Kodo kehrt mit ihrer neuen Produktion
„Luminance“ ins KKL Luzern zurück – ein Programm, das vom ersten Schlag an in rhythmische Tiefen führt. Schon bevor sich das Licht über die Bühne legt, spürt man jene gespannte Stille, die jeder Kodo Aufführung vorausgeht: ein Moment, in dem sich der Raum zu dehnen scheint, als würde er Atem holen. Dann bricht die Energie los – wuchtig, präzise, elementar.


Tradition als brennender Impuls

 

Kodo Szenenfoto ab Website Kodo

Seit mehr als vier Jahrzehnten reist Kodo auf seiner One Earth Tour um die Welt. Von der japanischen Sado Insel aus haben sich die Musikerinnen und Musiker dem Ziel verschrieben, die Sprache der Trommel als universelle Verbindungskraft zwischen Kulturen erfahrbar zu machen. „Luminance“ steht dabei für das Licht, das Klang hervorbringen kann – für Transformation, für Bewegung vom Monochromen zum Farbig Leuchtenden.

Im KKL Luzern wird das Konzept unmittelbar spürbar: Traditionelle Rhythmen wie Yatai bayashi oder das legendäre O daiko werden mit modernen choreografischen Elementen verschmolzen. Die Körper der Trommler werden zu sichtbaren Wellen, jede Bewegung präzise gesetzt, jedes Anheben des Schlägels Teil einer komponierten Dramaturgie.


Klangarchitektur zwischen Stille und Explosion

 

Kodo, Szenenfoto von Maria Ulrich

Das KKL Luzern – berühmt für seine akustische Perfektion – erweist sich als idealer Resonanzraum. Die tiefen Schläge der grossen Taikos füllen den Saal nicht einfach, sie scheinen die Luft zu modellieren. Mitten in dieser körperlich spürbaren Wucht steht immer wieder überraschende Ruhe: leise Klänge kleiner Handtrommeln, schwebende Töne von Shakuhachi und Stimme.

Gerade die Gegenpole machen Kodos Kunst aus. Nichts ist zufällig, alles folgt einer inneren Disziplin, die der Ekstase Struktur gibt. Der Rhythmus wird zur Meditation – wie ein Erdbeben, das atmet.


Monochrome“ als Herzstück – 50 Jahre Klanggeschichte

 

Komponist Maki Ishii 1936 bis 2003

Ein Höhepunkt des Abends ist Maki Ishiis Komposition „Monochrome“, die 2026 ihr 50 jähriges Jubiläum feiert. Kodo interpretiert das Werk mit einer physischen Klarheit, die Klang zur Geometrie werden lässt. Aus einzelnen Schlägen entsteht ein feines Gitter aus Schwingungen, in dem man Zeit und Raum fast greifen kann.

Dieses Stück, ursprünglich eine Avantgarde Studie über Struktur und Bewegung, ist längst zum Markstein der Taiko Kunst geworden. In der Luzerner Aufführung wurde es zu einer Demonstration, wie aus disziplinierter Reduktion leuchtende Energie entstehen kann – ein akustisches Prisma in Schwarz Weiss Tönen. Immer wieder beeindruckend die schier unglaubliche Präzision, die fast unwirkliche Synchronizität der Ausführenden.

Neue Stimmen, neue Farben

 

Traditionelle Shakuhachi

Neben den klassisch berühmten Kodo Stücken überraschte „Luminance“ auch mit zeitgenössischen Beiträgen von Gastkomponistinnen und  komponisten unterschiedlicher Genres. Elektronische Elemente und rhythmische Pattern aus Jazz und Tanzmusik wurden behutsam eingewoben, ohne den organischen Herzschlag der Trommel zu überdecken. Besonders eindrucksvoll: das Wechselspiel von Solostücken der jüngeren Ensemblemitglieder, die spürbar mit neuen Ideen und Körperbewusstsein auftreten.

Diese Offenheit zeigt: Kodo bleibt kein Museum der Tradition, sondern ein pulsierendes Labor für Klangkultur.


Ein Publikum zwischen Atemlosigkeit und Jubel

 

Kodo, Szenenfoto von Maria Ulrich

Nach dem finalen Yatai bayashi – jenem infernalischen Trommelmarsch, der wie ein Triumphzug aus purer Energie klingt – steht der Saal im KKL wie elektrisiert. Minutenlang Applaus, Rufe, stehende Ovationen. Man spürt Ergriffenheit, aber auch Dankbarkeit; viele lächeln wie nach einem langen, tiefen Atemzug.

Kodo schafft, was nur wenige Ensembles vermögen: Musik nicht bloss hörbar, sondern existenziell erfahrbar zu machen. Zwischen Donner und Stille, Präzision und Emotion, Tradition und Erneuerung offenbart „Luminance“ die Essenz kultureller Verbindung – mit jedem Schlag als Herzschlag der Welt.


Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: Maria Ulrich www.allblues.ch    und

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