dal romanzo di
Bernardo Zannoni (Sellerio editore)
ideazione
VicoQuartoMazzini
regia Michele Altamura Gabriele Paolocà
drammaturgia Linda Dalisi Gabriele Paolocà Michele Altamura
con Michele Altamura Leonardo Capuano Giuseppe Cederna
Jonathan Lazzini Gabriele Paolocà Arianna Scommegna
scene Daniele Spanò
luci Giulia Pastore
costumi Aurora Damanti
musica originale Demetrio Castellucci
sound design Niccolò Menegazzo
aiuto regia Giulia Odetto
cura della produzione Francesca D’Ippolito
produzione LAC – Lugano Arte e Cultura, Scarti Centro di Produzione Teatrale d’Innovazione, Piccolo Teatro di Milano – Teatro d’Europa, TSU – Teatro Stabile dell’Umbria, Teatro Nazionale di Genova.
Mit ‘I miei stupidi intenti’ (‘Mein erstaunlicher Hang zu Fehltritten’), nach dem gleichnamigen ersten Roman des jungen Schriftstellers Bernardo Zannoni (Jahrgang 1995, Gewinner des Premio Campiello 2022), setzt sich die Theatergruppe VicoQuartoMazzini mit der zeitgenössischen italienischen Literatur wieder auseinander. Das sehr aufmerksame Publikum am LAC war auch diesmal begeistert.
Dramatisierungen von Romanen
Seit einiger Zeit werden immer mehr Romane auf die Bühne gebracht; Adaptionen von Bestsellern oder anderen Romanen sind heute tatsächlich aus den Spielplänen der meisten Theater nicht mehr wegzudenken. Ein richtiges Phänomen in der gegenwärtigen Theaterwelt, besonders seit den 1990er Jahren. Man fragt sich oft, und auch in diesem Falle, wie es zu dieser zunehmenden Zahl solcher Adaptionen kommt. Und ob es nicht besser wäre, die sicher nicht tote -wenn auch nicht sehr grosse – gegenwärtige Dramenproduktion zu unterstützen, oder die vielen wertvollen Theaterwerke der nahen oder der fernen Vergangenheit zu inszenieren, statt auf Romane zurückzugreifen.
Worum es hier eigentlich geht
Es geht um Archy, einen Steinmarder, der von seiner ihn allein aufziehenden Mutter an einen alten Fuchs verkauft wird, und dies für nur (oder für sogar) eineinhalb Hühner. Interessant ist, dass Archys neuer Herr sehr stolz ist, eine Bibel zu besitzen und ihn nun anregen will, sein tierisches Leben voller Qual und Quälerei aufzugeben.….
Es geht aber nicht nur um Archy
‘I miei stupidi intenti’ ist aber nicht nur ein Stück über Steinmarder, Füchse und Hunde, die auch gewisse menschliche Fähigkeiten haben, sondern vor allem eine Allegorie auf unsere Existenz, denn die lange Reise des Protagonisten zur Erkenntnis lässt uns auch über unser eigenes Leben und über die zahlreichen zu bewältigenden Probleme nachdenken mit denen jeder Mensch konfrontiert ist. Es handelt sich hier in der Tat um eine mystische, mythologische Geschichte, eine Parabel eines Lebewesens, das mühelos beabsichtigt, sich so mehr wie möglich zu verbessern, oder mindestens zu verändern.
Die grossen Fragen, die ohne Antwort bleiben
Archys Wunsch und Absicht sind dann nicht nur neue Entdeckungen und Erfahrungen zu machen, sondern auch die Antwort auf die meist das ganze Leben unbeantwortet bleibenden Fragen zu finden, die sich jedermann früh oder später in seiner Existenz stellt. Und all dies wird besonders akut, wenn der alte Fuchs anfängt, ihm über die Macht des Lesens, des Schreibens, eigentlich über die grosse Wichtigkeit der Buchstaben zu erzählen; vor allem fängt dann Archy an, sich auch mit dem Tod zu beschäftigen.
Tolle Leistung der SchauspielerInnen
Ohne die grosse Arbeit, den Mut und die Kompetenz der zwei Regisseure Michele Altamura und Gabriele Paolocà, das Bühnenbild von Daniele Spanò, das Light Design von Giulia Pastore (beide sehr aufregend) und die nicht überspitzten Kostüme von Aurora Diamanti abwerten zu wollen, steht und fällt aber auch hier der Erfolg mit den SchauspielerInnen, und besonders mit dem Protagonisten. Giuseppe Cederna ist der alte Archy, der, am Ende seines Lebens, alles erzählt und kommentiert. Es ist einfach grossartig, wie er in dieser Produktion imstande ist, sowohl seine Verletzlichkeit und seine Verunsicherung durch den plötzlichen Verlust familiärer Geborgenheit, als auch seine spätere Neugierde und Lebenslust, glaubwürdig und plausibel darzustellen. Es gelingt ihm auch mühelos, den Widerspruch zwischen einem gewissen Zynismus und seinen immer mehr klar manifestierten Wut und Enttäuschung zu verkörpern. Eine erstklassige Interpretation, die auch von allen anderen Schauspielern (Gabriele Paolocà als junger Archy, Michele Altamura als Istrice (Stachelschwein), Jonathan Lazzini als Hund und Arianna Scommegna in allen weiblichen Rollen) geliefert wird. Gefallen hat uns auch Leonardo Capuano als der alte Fuchs: sehr glaubwürdig spielt er den mächtigen, selbstsicheren und sehr beherrschten Padrone, der immer erreicht, was er will.
Text: https://marinellapolli.ch/
Fotos: Masiar Pasquali https://www.luganolac.ch/it/lac/home
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