Trotz Fortschritten verharrt die Armut auf hohem Niveau Caritas Schweiz wird 125-jährig: Es braucht mehr Mut im Kampf gegen Armut

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Caritas

1901 wurde Caritas Schweiz gegründet, um Menschen in Not zu unterstützen. Heute zeigt sich: Armut ist längst nicht überwunden. Zum Jubiläum fordert die Caritas entschlossenes Handeln für betroffene Menschen. Um die Bevölkerung zu sensibilisieren, eröffnet die Caritas am 9. September die Ausstellung «Ungleich verteilt – was Armut mit uns zu tun hat».

125 Jahre nach ihrer Gründung zieht Caritas Schweiz Bilanz über die weltweite Entwicklung der Armut. «Die Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte sind beeindruckend – doch sie können schnell wieder verloren gehen», warnt Esther Reinhard, Direktorin ad interim von Caritas Schweiz. Während die Klimakrise, Kriege und Ungleichheiten zunehmen, kürzen reiche Länder wie die Schweiz ihre Beiträge für die internationale Zusammenarbeit massiv. Esther Reinhard: «Die Reduktion der Armut ist nahezu zum Stillstand gekommen.» Derzeit sind weltweit rund 1,1 Milliarden Menschen betroffen.

Auch in der Schweiz ist Armut zu einem chronischen Problem geworden. Bund, Kantone und Gemeinden verfügen über keine gemeinsame Strategie, um das Problem wirksam anzugehen. Die Anzahl Menschen, die unter oder knapp über dem Existenzminimum leben, verharrt auf hohem Niveau bei 1,45 Millionen Menschen. Das ist jede sechste Person – im Durchschnitt sitzen in jeder Schulklasse vier Kinder, deren Eltern sich das Nötigste kaum leisten können.

Trotz dieser hohen Zahlen stehen Sozialleistungen und Grundrechte unter Druck: Familien, die am Existenzminimum leben, sehen sich enormen Belastungen ausgesetzt, werden vom Staat aber allein gelassen. Menschen ohne Schweizer Pass riskieren ihr Aufenthaltsrecht, wenn sie Sozialhilfe beziehen, und Geflüchteten wird die Sozialhilfe gekürzt. «Die aktuellen Entwicklungen bereiten mir Sorgen», sagt Esther Reinhard. «Gerade jetzt müssen wir verhindern, dass wieder mehr Menschen in eine prekäre Lebenslage geraten. Es braucht in der Politik mehr Mut im Kampf gegen Armut.»

Ausstellung: Verschiedene Dimensionen von Armut erfahren

Mit der Ausstellung «Ungleich verteilt – was Armut mit uns zu tun hat» will Caritas Schweiz die Öffentlichkeit und insbesondere Schülerinnen und Schüler für das Thema sensibilisieren. Vom 9. bis 30. September zeigt die Ausstellung am Hauptsitz in Luzern, was Armut in der Schweiz und weltweit bedeutet, wie sie entsteht und was dagegen getan werden kann. Interaktive Elemente ermöglichen einen Perspektivenwechsel und machen verschiedene Dimensionen von Armut erfahrbar.

«Armut ist mehr als zu wenig Geld zu haben», sagt Monika Maire-Hefti, Präsidentin von Caritas Schweiz. «Armut beeinflusst, wo jemand wohnen kann, welche Bildungschancen offenstehen, wie gesund jemand lebt und ob gesellschaftliche Teilhabe möglich ist. Mit der Ausstellung zeigen wir, dass Armut uns alle betrifft.»

125 Jahre: Vom Helfen zum Verändern

Als am 23. September 1901 der Schweizerische Caritas-Verband gegründet wurde, stand die organisierte katholische «Nächstenliebe» im Zentrum. Seither hat sich das Verständnis der Caritas von Armut und Armutsbekämpfung grundlegend verändert: Aus einer zunächst konfessionell geprägten Hilfe für Menschen in Not entwickelte sich eine Zusammenarbeit mit den betroffenen Menschen – auf Augenhöhe und mit lokaler Verantwortung in den Projektländern.

Heute unterstützt Caritas Schweiz weltweit rund 500’000 Menschen pro Jahr. Dabei geht es nicht nur darum, akute Not zu lindern, sondern eine nachhaltige Wirkung zu erreichen. Die Caritas setzt sich deshalb auch für strukturelle Veränderungen der gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen ein, indem sie ihre Expertise aktiv in die öffentliche Debatte einbringt.

«125 Jahre Caritas Schweiz zeigen: Armut lässt sich wirksam bekämpfen», sagt Monika Maire-Hefti. «Wo Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Betroffene gemeinsam handeln, sind Veränderungen möglich. Diesen Anspruch müssen wir auch in Zukunft mit Nachdruck verfolgen.»

Hinweis an die Redaktionen

Caritas Schweiz führt anlässlich ihres 125-Jahr-Jubiläums diverse Veranstaltungen an ihrem Hauptsitz in Luzern durch, an die Medienschaffende herzlich eingeladen sind:

  • 16. September, 18 Uhr: Podium «Globale Solidarität im Gespräch» über die Rolle der Schweiz und von NGOs in der Internationalen Zusammenarbeit.
  • 23. September, 16 Uhr: Offizieller Gründungstag mit Geburtstagsfeier.
  • 28. September, 17.30 Uhr: Podium «Working Poor – Trotz Arbeit zu wenig Geld zum Leben» über die Ursachen und Folgen von Erwerbsarmut in der Schweiz.
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Über Leonard Wüst

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