Besetzung:
Direction musicaleMichel PlassonMetteur en scène & lumières Georges LavaudantConseiller artistique et dramaturgiqueJean-Romain VesperiniDécors et costumesJean-Pierre VergierCollaborateur aux mouvementsGiuseppe Bucci Faust John OsbornMéphistophélès Adam PalkaMarguerite Ruzan MantashyanValentinJean-François LapointeWagnerShea OwensSiebelSamantha HankeyMartheMarina Viotti Chœur du Grand Théâtre
Direction Alan Woodbridge Orchestre de la Suisse Romande
Rezension:
Die Geschichte des Dr. Faust hat viele Künstler fasziniert. Auch der französische Komponist Charles Gounod liess sich inspirieren. Sein Faust ist ein einsamer Mann auf der Suche nach Jugend, Liebe und Genuss. Mephisto kann ihm all das bieten, im Gegenzug verlangt er aber Fausts Seele. Mephisto präsentiert Faust die blutjunge, unschuldige Marguerite, Faust verführt und schwängert sie und verlässt sie anschliessend. Geächtet von der Gesellschaft, tötet Marguerite das gemeinsame Kind. Als Faust versucht, sie aus dem Gefängnis und vor dem Tod durch Hinrichtung zu retten, folgt sie ihm nicht. «Gerichtet» ruft Mephisto, «gerettet» antwortet der Chor.
Gounods Faust, eine der meistgespielten französischen Opern, wird vom 1.-18. Februar in Genf im «Theâtre des Nations» aufgeführt.
Musikalischer Hochgenuss
Drei Stunden dauert dieser Faust, das scheint doch etwas lange, aber die Genfer Inszenierung von Georges Lavaudant und die exzellenten Sängerinnen und Sänger lassen einen die Zeit vergessen und bescheren dem Publikum drei Stunden musikalischen Hochgenuss und berührende, bewegende Momente.
Das Bühnenbild (Jean-Pierre Vergier) ist kühl, nüchtern und trotzdem Spielfläche für starke, emotionsgeladene Szenen und teilweise gekonnte Licht/Schatten Effekte (ebenfalls Georges Lavaudant). Eine Wellblech-Wand zieht sich über die ganze Breite der Bühne, eine Wendeltreppe führt auf die darüber liegende Ebene. Mit ihrem schlichten Geländer erinnert diese an ein Schiffsdeck und verschafft der Bühne eine unbegrenzte Weite. Das Bühnenbild verändert sich kaum, das gibt dem Ganzen eine grosse Ruhe. Durch schiebbare Wand-Elemente sind immer wieder ein Einblicke in Marguerites Zimmer möglich.
Atmosphärische Stimmungen werden mit wenig Mitteln erzeugt: Farbige Neonröhren kreuz und quer am Himmel für die Kirmes, ein weisser Neon-Blitz für Marguerites Verdammnis. Marguerites Veränderung vom unschuldigen Mädchen zur gefallenen Frau zieht sich auch in ihrer Zimmereinrichtung durch: Vom Mädchenzimmer mit unzähligen Fotos an der Wand, Puppen in den Regalen und geblümter Bettdecke bleibt am Ende nur noch eine nackte Matratze auf dem Bett im ansonsten kahlen, grauen Zimmer. Wo Mephisto auftritt, sind auch seine teuflischen, gehörnten Begleiter, mal Tänzer, mal Höllenhunde, mal Racheengel. Einzig ab und zu etwas seltsam und nicht ganz nachvollziehbar die Gesten des Chors, wie eine dieser banalen Choreographien zum neusten Sommerhit.
Farbige Akzente
Die Kostüme sind unaufgeregt aber mit Symbolcharakter. Wenn Marguerite im ersten Akt wie eine Seiltänzerin in ihrem sehr kurzen, weissen Kleidchen hin- und her schreitet, ist sie nicht nur naives Mädchen, da scheint durchaus auch etwas Verführerisches, Kokettierendes durch. Faust seinerseits erinnert an einen Bräutigam, wenn er Marguerite mit Kostüm und Krawatte aufsucht. Einzig der Frauenchor hebt sich ab mit speziellen Kostümen und bringt Farbe ins Spiel: Einerseits getupfte, Petticoat-ähnliche Kleidchen und farbige Perücken, andererseits eine Art Dirndl in zusammengewürfelten Mustermix. Spektakulär das Kleid von Marguerite für die Juwelenarie: Denn an Stelle von Juwelen erhält sie eine märchenhafte Robe, auf welcher sich unzählige Spiegel an ihrem Körper hinunterranken und auf der Schleppe in funkelnde, gefährlich spitzig-aufragende Pyramiden ausufern.
Herausragende Leistung des Ensembles
Die Inszenierung lenkt nie ab und lässt der herrlichen Musik, den traumhaften Melodien Gounods ihren Platz. Und dann sind da die Stimmen, durchwegs hervorragend. John Osborn ist ein wunderbarer Faust mit klarem, kräftigen Tenor, Adam Palka ein teuflisch-verschlagener Mephisto mit gewaltigem Bass, energisch und kraftvoll. Jean-François Lapointe hat als Valentin etwas Vertrauensvolles und steht den beiden stimmlich in nichts nach. Samantha
Hankeys Mezzo-Sopran hat eingangs eine leicht blecherne Note, gewinnt aber im Lauf des Abends an Wärme. Eine Entdeckung in ihrer «ersten Marguerite» ist die Sopranistin Ruzan Mantashyan. Sie ist nicht nur bildschön, sie versteht es auch, alle Register zu ziehen. Vom verspielten Mädchen über die Liebende, von der verlassenen Geliebten bis zur verstörten Gefangenen spielt sie die Rollen überzeugend und moduliert ihre Stimme von hell-verspielt über samten-verführerisch bis hin zu dunkel-verzweifelt, sicher und überzeugend-
Der französische Dirigent Michel Plasson, bestens vertraut mit Gounods Faust, holt die ganze Eleganz und Finesse, das Lyrische und Tänzerische, das Düstere und Dramatische der Melodien aus den Musikern des Orchestre de la Suisse Romande. Das Orchester bleibt perfekte Begleitung, lässt den Stimmen den nötigen Raum und überzeugt mit einem satten, samtenen Klang.
Bravo-Rufe, viel Szenen- und langanhaltender Schlussapplaus zeigten die Begeisterung des Premieren-Publikums. Eine grossartige Leistung aller Beteiligten, eine mehr als gelungene Aufführung. Eine Reise nach Genf lohnt sich durchaus!
Kleine Fotodiashow der Mitwirkenden der Produktion :
Text: www.gabrielabucher.ch Fotos: www.geneveopera.ch