Aufwertung des Gebiets Isleten – es bestehen noch Hürden

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Projektvisualisierung Isleten, Stand 2025

Der Regierungsrat nimmt den eingegangenen ersten Vorprüfungsbericht des Bundes zum Richtplan Kanton Uri, Anpassung «Aufwertungs- und Tourismusprojekt Isleten» zur Kenntnis. Dieser basiert auf einem Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK). Zwar begrüssen die Bundesstellen die Transformation und Aufwertung des Gebiets Isleten ausdrücklich. Im Fall einer allzu engen Auslegung werden die Interessen des Kantons Uri übersteuert. Bundesrat Albert Rösti, Vorsteher des UVEK, hat zugesichert, zusammen mit den Bundesstellen eine Auslegeordnung der offenen Fragen zu erarbeiten. Diese sollen im Frühling anlässlich einer Begehung in Uri vor Ort besprochen werden.

Der Kanton Uri hat den Entwurf zur Anpassung des kantonalen Richtplans für das Gebiet Isleten im Sommer 2025 zur Vorprüfung an die Bundesstellen übermittelt. Mit der Richtplananpassung sollte festgelegt werden, in welchem Rahmen sich das Gebiet entwickeln kann, welche weiteren Verfahren folgen und welche Aspekte dabei besonders zu berücksichtigen sind – darunter Natur- und Gewässerschutz, Verkehr und Renaturierung.

Das Gebiet, das heute überwiegend in der Industriezone und mit kleineren Bereichen in der Wohn- und Gewerbezone liegt, sollte altlastensaniert, revitalisiert und künftig zu Erholungszwecken und touristisch genutzt werden. Konkret plante die Isen AG den Bau und Betrieb einer neuen touristischen Anlage mit Hotel, hotelbewirtschafteten Wohnungen, Bungalows und Bootsplätzen. Zudem sollten der Isentalerbach und sein Delta sowie das Seeufer revitalisiert, aufgewertet und öffentlich zugänglich werden. Gesamthaft sollte ein grosser volkswirtschaftlicher Nutzen und ein Mehrwert für die Bevölkerung entstehen, auch zur Naherholung. Für die Gewässerrevitalisierung, die Naherholung und die touristische Nutzung sollte die Kantonsstrasse verlegt werden. Laut einer regionalwirtschaftlichen Potenzialstudie (Mai 2024) würde das Projekt nebst Investitionen von 228 Mio. Franken eine substanzielle wirtschaftliche Wertschöpfung für die beteiligten Gemeinden und den Standortkanton sowie etwa 80 Arbeitsplätze mit sich bringen.

Die Voraussetzungen für die Transformation wurden mit der Volksabstimmung zur kantonalen Volksinitiative «Isleten für alle» geebnet. Die Initiative verlangte den Erlass einer speziellen gesetzlichen Regelung, die neue Hotel- und Apartmentgebäude sowie neue Bootshäfen im Gebiet verboten hätte. An der kantonalen Abstimmung vom 24. November 2024 haben die Urner Stimmberechtigten in allen 19 Urner Gemeinden die Initiative mit einem Nein-Stimmenanteil von 66,42 Prozent deutlich abgelehnt.

«Runder Tisch» soll Lösung bringen

In seinem Vorprüfungsbericht vom 29. Januar 2026 hält der Bund fest, dass er einer Transformation und Aufwertung des Gebiets Isleten zwar grundsätzlich positiv gegenübersteht. Für das Vorhaben in seiner aktuellen Ausgestaltung sei die grundsätzliche Machbarkeit aber nicht gegeben.

Für die Machbarkeit wären laut Vorprüfung namentlich die baulichen Dichte zu reduzieren, die Strasse alternativ (z. B. in einem Tunnel) zu führen, auf den landseitigen Bootshafen zu verzichten, die Neubauten denkmalgerecht weg vom historischen Bestand zu platzieren sowie Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen nötig. Die Umsetzung aller eingebrachten Massnahmen würde dem vorliegenden Projekt jedoch die wirtschaftliche Basis entziehen.

Justizdirektor Daniel Furrer dazu: «Der Kanton hat erfahrungsgemäss damit gerechnet, dass der Bund die Transformation der Isleten grundsätzlich unterstützt, aber noch punktueller Anpassungsbedarf besteht. Mit den Anforderungen, die zurzeit gestellt werden, lassen sich aber weder die geplante Tourismusanlage noch die Revitalisierung der Gewässerräume mit Schaffung von Flachwasserzonen oder die dafür notwendige Verlegung der Kantonstrasse realisieren. Der volkswirtschaftliche Nutzen rund um den Urnersee würde unterbunden. Zudem würde der klar geäusserte Wille des Urner Volks übersteuert.»

Der Regierungsrat hat zusammen mit dem Grundeigentümer Isen AG und mit den Gemeinden Seedorf und Isenthal die Ausgangslage analysiert. In den nächsten Wochen wird eine detaillierte Standortbestimmung vorgenommen. Bundesrat Albert Rösti hat als Vorsteher des UVEK zugesichert, dass er zusammen mit den Bundesstellen eine Auslegeordnung der offenen Fragen erarbeiten werde. Diese sollen im Frühling anlässlich einer Begehung in Uri vor Ort besprochen und nach Lösungen gesucht werden.

Die Chance nicht verspielen

Das Vorhaben liegt – wie der gesamte Vierwaldstättersee mit Kernwald, Bürgenstock und Rigi (Objekt Nr. 1606) – im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN). Geplant wäre eine vollständige Öffnung des heutigen Industriegebiets, das bislang für die Öffentlichkeit abgeriegelt und mit Altlasten belastet ist. Rund 40 Prozent der Flächen würden für Naherholung und Revitalisierung zur Verfügung gestellt.

Landammann Christian Arnold hält fest: «Der Regierungsrat ist enttäuscht über diese erste Rückmeldung. Das Vorhaben bringt nicht nur volkswirtschaftlich, sondern auch landschaftlich, ökologisch und regionalpolitisch eine enorme Aufwertung für das Gebiet. Für die Bevölkerung entsteht ein Mehrwert durch die Zugänglichkeit und Öffnung der Ufer. Immerhin handelt es sich vorliegend um eine Industriebrache. Dass der Urnersee für den Mythos der Entstehungsgeschichte der Eidgenossenschaft steht, darf nicht zum engen Korsett in der Entwicklung des Lebensraums für ihre Bewohnerinnen und Bewohner werden. Für den Regierungsrat ist klar: Die Isleten kann und darf nicht auf Dauer so bleiben. Das Ziel bleibt ein volkswirtschaftlicher Nutzen, verbunden mit der ökologischen Aufwertung und der öffentlichen Zugänglichkeit der Isleten. Das ist auch der klare Wille des Urner Volks. Der Regierungsrat wird sich dafür einsetzen, dass die Chance für eine Entwicklung an der Isleten im Sinne des Volksentscheides genutzt werden kann.»


Projektvisualisierung Isleten, Stand 2025 (alle Objekte rechts von der Bildmitte sind bestehend) Rendering: Isen AG