Lucerne Festival «Roche Commissions» 2028

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Severin Schwan, Präsident des Verwaltungsrates von Roche, und Jörg Widmann Foto Nik Hunger

Der Komponist, Klarinettist und Dirigent Jörg Widmann erhält den 14. Kompositionsauftrag der «Roche Commissions» für 2028.
Das Auftragswerk für 2026 «Tongue of the Land» von Liza Lim wird heute, am 29. August, im Rahmen des Sommer-Festivals vom Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) unter der Leitung von Peter Rundel uraufgeführt.
Zwei Jahre nach der Auftragserteilung an Liza Lim kommt heute Abend im Rahmen von Lucerne Festival Summer ihr Werk Tongue of the Land zur Uraufführung – die 13. «Roche Commissions». Am Pult steht der Dirigent Peter Rundel, der das Werk zusammen mit Liza Lim, dem Trompeter Marco Blaauw und den Musiker*innen des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) erarbeitet hat. Das Konzert ist einer der Höhepunkte im Programm der diesjährigen Lucerne Festival Academy.

Die australische Komponistin Liza Lim hat das Werk Tongue of the Land für Orchester und ein aussergewöhnliches Soloinstrument komponiert: Das keltische Instrument Carnyx wurde vor mehr als 2000 Jahren in der Zentralschweiz verwendet und erst kürzlich wiederentdeckt und rekonstruiert, in der heutigen Uraufführung spielt es Marco Blaauw. «Die Carnyx eröffnet Erfahrungsräume jenseits linearer Zeitvorstellungen und lädt zu einer Form des Hörens ein, die zugleich rückwärts und vorwärts gerichtet ist», erklärt Lim. «So entsteht eine Klangwelt, in der die Carnyx als eine Art ‹Ahnenstimme› erscheint – als Resonanzkörper zwischen Zeiten und Wesen. In dieser Perspektive wird Musik zu einem Akt des Verbindens: ein Hören, Rufen und Antworten – ein Sprechen und Singen mit der Tongue of the Land.»

Der Folgeauftrag, die «Roche Commissions» 2028, geht an den deutschen Komponisten Jörg Widmann, einem der vielseitigsten Künstler seiner Generation und gefragtesten zeitgenössischen Komponisten. Jörg Widmann ist zudem seit Januar 2026 der künstlerische Leiter der Lucerne Festival Academy.

Sebastian Nordmann und Jörg Widmann Foto Nik Hunger

1973 in München geboren, absolvierte Jörg Widmann zunächst ein Klarinettenstudium und anschliessend ein Kompositionsstudium bei Kay Westermann, Wilfried Hiller, Hans Werner Henze, Heiner Goebbels und Wolfgang Rihm. Seine Werke werden von den weltweit führenden Orchestern wie den Berliner und Wiener Philharmonikern, dem New York Philharmonic, dem Royal Concertgebouw Orchestra oder dem Cleveland Orchestra uraufgeführt und regelmässig gespielt. Dirigenten wie Daniel Barenboim, Kent Nagano, Christian Thielemann, Sir Simon Rattle und Andris Nelsons bringen seine Musik weltweit auf die Bühne.

In der Spielzeit 2026/27 übernimmt Jörg Widmann bei der Staatskapelle Dresden eine Doppelrolle: Erstmals in der Geschichte des Orchesters wird ein einzelner Künstler zugleich als Capell-Compositeur und Capell-Virtuos tätig sein. In der Saison 2023/24 war Jörg Widmann composer-in-residence bei den Berliner Philharmonikern. Seine Tätigkeit als Dirigent weitet er weiter aus und war unter anderem mit zahlreichen internationalen Orchestern wie dem Cleveland Orchestra und den Berliner Philharmonikern zu erleben; zudem ist er Erster Gastdirigent der NDR Radiophilharmonie, Associated Conductor des Münchener Kammerorchesters und Artistic Partner der Sinfonietta Riga.
Neben seiner Tätigkeit als Komponist und Dirigent tritt er als Klarinettist mit Partner*innen wie Daniel Barenboim, Tabea Zimmermann, Sir András Schiff und Hélène Grimaud auf; mehrere Werke wurden ihm gewidmet. Widmann lehrte von 2001 bis 2015 in Freiburg und unterrichtet seit 2017 Komposition an der Barenboim-Said-Akademie in Berlin; er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und wurde 2024 Mitglied der Royal Swedish Academy of Music.

Über das Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO)
Das LFCO wurde 2021 als Pendant zum Lucerne Festival Orchestra gegründet: ein Exzellenzorchester für die Interpretation zeitgenössischer Musik. Hier treffen ehemalige und aktuelle Studierende der Lucerne Festival Academy aufeinander. Das internationale Netzwerk der Akademie, das sich in den letzten 20 Jahren formiert hat, zählt heute über 1’500 Instrumentalist*innen, Dirigent*innen und Komponist*innen. Das Orchester steht für das langjährige Engagement von Lucerne Festival für die Neue Mu¬sik, das Repertoire reicht von der Schwelle der klassischen Moderne bis hin zu Wer¬ken der Gegenwart. In grosser und kleinerer Formation gestaltet das LFCO die Konzerte im Rahmen der Akademie während des Sommer-Festivals und gibt auch ausserhalb des Festivals Gastspiele, so 2023 in der Elbphilharmonie in Hamburg oder 2024 beim Mizmorim Festival in Basel. Im September 2026 tritt es beim Musikfest Berlin in der Philharmonie sowie in München im Rahmen der Musica Viva Reihe des Bayerischen Rundfunks in der Isarphilharmonie auf. In Luzern ist das LFCO ausserdem Residenzorchester von Lucerne Festival Forward, dem Festival für zeitgenössische Musik.

Über die Lucerne Festival Academy
Die Lucerne Festival Academy wurde 2004 von Pierre Boulez und Michael Haefliger als Meisterschule für zeitgenössische Musik gegründet. Künstlerischer Leiter war seit 2016 der Komponist Wolfgang Rihm. Die Akademie richtet sich an Instrumentalist*innen, Dirigent*innen und Komponist*innen: Jeden Sommer widmen sich über 100 Musiker*innen aus rund 30 Nationen drei Wochen lang dem Repertoire des 20. und 21. Jahrhunderts. Über 400 Uraufführungen wurden zwischen 1999 und 2025 bei Lucerne Festival präsentiert. 2026 werden anlässlich des Sommer-Festivals weitere 12 neue Werke erklingen, neun davon stehen auf dem Programm der Konzerte der Lucerne Festival Academy.

Über «Roche Commissions»
«Roche Commissions» ist eine einzigartige Zusammenarbeit zwischen Roche, Lucerne Festival sowie der Lucerne Festival Academy. Seit 2003 gibt Roche alle zwei Jahre ein neues Werk eines herausragenden zeitgenössischen Komponisten in Auftrag, auf Empfehlung der künstlerischen Leitung der Lucerne Festival Academy. Anstatt Werke in Auftrag zu geben, die dem Mainstream entsprechen oder sich auf die aktuelle Popularität konzentrieren, verfolgen die «Roche Commissions» das Ziel, musikalische Werke zu ermöglichen, die über das Konventionelle hinausgehen und eine Quelle intellektueller Anregung und Herausforderung bieten. Der Komponist interagiert mit mehreren führenden Wissenschaftlern von Roche, und nach zwei Jahren wird das in Auftrag gegebene Werk bei Lucerne Festival im Sommer uraufgeführt. Der Ursprung dieser bahnbrechenden Initiative geht auf eine Partnerschaft zwischen Roche, dem Cleveland Orchestra und der Carnegie Hall zurück, die nun in der einzigartigen Zusammenarbeit zwischen Roche, Lucerne Festival und der Lucerne Festival Academy fortgeführt wird. Darüber hinaus wurden die «Roche Young Commissions» im Jahr 2013 erstmals ins Leben gerufen, um zwei jungen Komponist*innen unter 30 Jahren die Möglichkeit zu geben, alle zwei Jahre Orchesterwerke zu schreiben, im Wechsel mit den «Roche Commissions».