Die Spielzeit 26/27 am Luzerner Theater steht unter der Überschrift «ZeitNah». 18 Premieren und 9 Wiederaufnahmen sowie zahlreiche weitere Veranstaltungen erwarten das Publikum in der ersten Saison unter der Intendanz von Katja Langenbach und Wanda Puvogel.
Am heutigen Montag stellten Katja Langenbach und Wanda Puvogel gemeinsam mit ihrem Team den Spielplan der Spielzeit 26/27 vor und damit die Pläne für die erste Saison unter ihrer Co-Intendanz. Nach fünf Jahren erfolgreicher Leitung der Sparten Schauspiel und Tanz übernehmen sie nun mit dem Wechsel in die Intendanz eine neue Verantwortung.
Mit dieser Entscheidung sorgt das Luzerner Theater für Kontinuität und Weiterentwicklung zugleich. Langenbach und Puvogel bringen umfassende Erfahrung, ein gewachsenes Netzwerk sowie eine enge Verbindung zum Publikum und zur Region mit. «Wir kennen die Menschen vor Ort, das Publikum wie auch die Mitarbeitenden – darauf können wir aufbauen», so die Co-Intendantinnen.
Das Luzerner Theater ist ein zentraler kultureller Ort der Region, der weit über den reinen Aufführungsbetrieb hinausgeht. Als Mehrspartenhaus vereint es unterschiedliche künstlerische Ausdrucksformen und schafft Räume für Begegnung, Austausch und gesellschaftliche Reflexion. Ziel der neuen Intendanz ist es, diese Rolle weiter zu stärken und das Theater als offenen, lebendigen Treffpunkt für alle Menschen auszubauen.
Die kommende Spielzeit steht unter dem Motto «ZeitNah». Im Fokus steht die Nähe in jeder Hinsicht, räumlich, zeitlich, emotional: Das bedeutet nah am Publikum, von der Region her gedacht, aber auch nah an den aktuellen Fragen unserer Zeit, immer mit einem Fokus auf die Erlebnisse, die im Kontext des Theaters zusammen gemacht werden können. Mit einem vielfältigen Programm aus Uraufführungen, Neukreationen und klassischem Repertoire greift der Spielplan gesellschaftlich virulente Themen auf und verbindet diese mit Unterhaltung, emotionalen Erlebnissen nah am Menschen und immer mit höchster künstlerischer Qualität.
Im Schauspiel – künftig unter der Leitung von Eva Böhmer, die seit 2021 als Dramaturgin und leitende Dramaturgin das Schauspielprogramm mitprägt – liegt ein besonderer Schwerpunkt auf zeitgenössischen Stoffen, neuen Erzählformen und einer breiten stilistischen Vielfalt. So startet das Schauspiel in der Box mit der Schweizer Erstaufführung von Marius von Mayenburgs irrwitzig scharfsinnigem Ehedrama «Egal» in die Spielzeit. Zur Uraufführung kommt ausserdem das Stück der aktuellen Hausautorin und Schweizer Literaturpreisträgerin Yael Inokai. Sie hat für ihren ersten Theatertext «Das Verhängnis» einen Krimi geschrieben und wirft den Blick dabei zurück in die ländliche Schweiz des beginnenden 20. Jahrhunderts. In die Ferne – in mehrfachem Sinne – geht es in der Uraufführung «MARSnaturen (火星生物)». Inhaltlich führt die Auftragsarbeit von Kevin Rittberger in die ferne Zukunft und in das Leben auf dem Mars, ganz irdisch und heutig führt diese Koproduktion des Luzerner Theaters mit dem Shanghai Dramatic Arts Center Spielende aus Luzern und Shanghai zusammen. Die Produktion wird zunächst in Luzern und dann in China gezeigt.
Mit «Eine Weihnachtsgeschichte» von Charles Dickens bringt das Luzerner Theater ab Mitte November einen Weihnachtsklassiker für alle auf die Bühne. Der bildstarke und musikalische Theaterabend bringt sowohl Kinder ab 8 Jahren als auch Erwachsene zum Mitfühlen, Nachdenken, Schmunzeln und Staunen.
Klassiker sind sicher auch Kleists Komödie «Der zerbrochne Krug» und Ibsens «Gespenster». Beide Stoffe befragt das Luzerner Theater in der kommenden Spielzeit ganz «ZeitNah» aus heutiger Perspektive. Regie führen zwei renommierte, preisgekrönte Regisseurinnen: «Der zerbrochne Krug» wird inszeniert von Fritzi Wartenberg, die in Luzern schon «Monte Rosa» auf die Bühne brachte, Rebekka David widmet sich «Gespenster!». Sie inszenierte in Luzern bereits erfolgreich «Prima Facie».
TanzLuzern wird neu geleitet von Pamela Monreale und Victor Rottier. Pamela Monreale gehört bereits seit 2021 zum Team von TanzLuzern, seit 2024 als Company Managerin; Victor Rottier ist seit der Spielzeit 25/26 als choreografischer Assistent und Probenleiter am Haus. Sie setzen weiterhin auf energiegeladene Produktionen, die unterschiedliche kulturelle Einflüsse miteinander verbinden. Neu ist, dass TanzLuzern mit dem südkoreanischen Choreografen Jae-Duk Kim in der neuen Spielzeit einen «Artist in Residence» vorstellt. Seine erste Arbeit in Luzern war ein grosser Erfolg. Im Rahmen der Neueinstudierung von «Exploration of Energy» kann sie neben Lida Doumouliakas «Spring of Rites» erneut erlebt werden; ausserdem ist der Südkoreaner eingeladen, mit TanzLuzern ein neues abendfüllendes Stück mit dem Titel «Der innere Strom» zu entwickeln. Das Publikum darf sich ausserdem auf zwei neue choreografische Stimmen freuen: Der Doppelabend «Common Ground» vereint Uraufführungen der Schweizerin Johanna Heusser und Maciej Kuźmiński aus Polen zum Thema Heimat und Zugehörigkeit.
Unter der Leitung von Operndirektorin Ursula Benzing und Musikdirektor Jonathan Bloxham wird in der nächsten Spielzeit auch weiterhin auf das musikalische Erbe gesetzt, zeitgemäss interpretiert und zeitgenössisch erweitert – in enger Zusammenarbeit mit dem Luzerner Sinfonieorchester.
Zur Eröffnung wird in der Box in Koproduktion mit Lucerne Festival ein ganz besonderer Doppelabend zu erleben sein: «Mad Kind & Medea» bringt Peter Maxwell Davies’ «Eight Songs for a Mad Kind» von 1969 mit einer Auftragsarbeit der renommierten britischen Komponistin Bushra El-Turk zusammen. Unter dem Titel «Mein Name ist der Fluch» hat sie gemeinsam mit der Schweizer Literaturpreisträgerin Ariane Koch einen Medea-Monolog geschaffen.
Mit «My Fair Lady» steht ab Ende September ein Musical-Klassiker auf dem Programm. Das im Film wie auf der Bühne gleichermassen erfolgreiche Musical strotzt nur so von Ohrwürmern wie «Es grünt so grün» und «Weil ich weiss, in der Strasse wohnst du»; es erzählt zugleich die «ZeitNahe» Emanzipationsgeschichte einer jungen Frau.
Wie bei «My Fair Lady» wird Musikdirektor Jonathan Bloxham auch bei Richard Wagners «Der fliegende Holländer» die musikalische Leitung übernehmen. Zum Abschluss der Spielzeit erwartet das Publikum eine musikalische Wiederentdeckung: «Proserpina» des Mozart-Zeitgenossen Joseph Martin Krauss, un-ter der musikalischen Leitung des Barock-Spezialisten Jörg Halubek.
Die Sparte Jung unter der Leitung von Teresa Rotemberg baut ihre erfolgreiche Arbeit weiter aus und richtet sich auch in der neuen Spielzeit gezielt an Kinder, Jugendliche und Schulen in der Region. Damit leistet das Luzerner Theater einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Bildung. Von den Allerjüngsten von drei Monaten bis ins junge Erwachsenenalter gibt es ein vielfältiges Angebot an altersgerechten Stücken quer über alle Sparten. Zwei Generationen Patenkinder, inzwischen insgesamt fast 500 junge Menschen im Alter von zwei und fünf Jahren, toben regelmässig durch das Theater und erleben Jahr für Jahr immer mehr Programm. Sie gehen dieses Jahr auf «Kuscheltier-Safari» oder tanzen mit «Petipas & ich» durch die Box.
Das Figurentheater unter der Leitung von Sibylle Grüter und Jacqueline Suter erobert mit seinem vielfältigen Programm von November bis Januar wieder die Box.
Mit dem Jugendclub «JUNG&YOUNG» startet unter der Leitung von Nicole Sauter ein neues partizipatives Angebot für Jugendliche ab der 3. Oberstufe.
In die Schulen kommt das Luzerner Theater mit dem neuen Klassenzimmerstück «Ronny von Welt». Seit der Gründung des Jungen Luzerner Theaters 2021 ist die Zahl der Schulvorstellungen im Theater stetig gewachsen. So gibt es auch in der kommenden Spielzeit wieder ein umfangreiches Angebot verschiedener Vorstellungen in der Unterrichtszeit. Begleitet wird dieses Angebot von Workshops, Vor- und Nachbereitungsformaten und Materialmappen für den Unterricht.
Das erfolgreiche Projekt «konTAKT», in dem Menschen mit neurologischen Herausforderungen wie Parkinson oder MS an wöchentlichen Tanzworkshops im Luzerner Theater teilnehmen, wird fortgesetzt.
Ein besonderes Augenmerk gilt unter der Intendanz von Katja Langenbach und Wanda Puvogel der Öffnung des Hauses. Mit erweiterten Formaten, insbesondere im kleineren Rahmen, sowie verstärkten Kooperationen in der Region soll das Theater noch nahbarer werden. Ziel ist es, auch die Menschen anzusprechen, die bislang wenig Berührungspunkte mit dem Theater hatten. «Unser Theater gehört den Menschen dieser Region, es ist ihr Haus», betonen Langenbach und Puvogel. «Wir möchten einen Ort schaffen, an dem Begegnung möglich ist – einen Raum für gemeinsames Erleben, Nachdenken und Austausch.»
Die neue Spielzeit lädt das Publikum ein, das Luzerner Theater als Ort der Nähe, Vielfalt und Inspiration zu entdecken.
Das neue Spielzeitheft stehen unter luzernertheater.ch/medien zum Download bereit.


