Im Rahmen eines Pilotprojekts arbeiten derzeit vier Pflegeexpertinnen (sogenannte APN, also Advanced Practice Nurses) in vier Hausarztpraxen im Kanton Luzern. Das vom Kanton Luzern in Auftrag gegebene und von der Universität Luzern durchgeführte Projekt zeigt bereits eine positive Wirkung.
Seit Herbst 2024 läuft im Kanton Luzern das Projekt «Integration von Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten APN in die medizinische Grundversorgung: Luzerner Modell». Dieses Projekt wurde vom Gesundheits- und Sozialdepartement in Auftrag gegeben und wird vom Zentrum für Hausarztmedizin und Community Care der Universität Luzern durchgeführt. Hauptziel ist die nachhaltige Verankerung der APN in der medizinischen Grundversorgung. Nach eineinhalb Jahren Projektlaufzeit kann ein positives Zwischenfazit gezogen werden: «Das Luzerner Modell stösst bei allen Beteiligten in Hausarztpraxen, in Pflegeheimen und bei anderen Leistungserbringenden auf breite Akzeptanz. Die bisherigen Erfahrungen der am Projekt beteiligten APN untermauern dies», so die kantonale Pflegeverantwortliche Lorena Meier.
Es sei ausserdem sehr erfreulich, dass die APN auch ausserhalb des Pilotprojekts vermehrt in hausärztlichen Praxen im Kanton Luzern eingesetzt würden oder konkrete Pläne diesbezüglich bestehen. Dies zeigt sich unter anderem an den eingereichten Projektskizzen und Gesuchen im Rahmen des Förderprogramms zur integrierten Gesundheitsversorgung im Kanton Luzern. Das Luzerner Projekt leiste einen wichtigen Beitrag zur Rollenschärfung der APN und zur Definition des optimalen Tätigkeitsfeldes innerhalb der Grundversorgung, damit APN ihr Potenzial noch besser ausschöpfen könnten, sagt die kantonale Pflegeverantwortliche Lorena Meier. «Das Projekt ist auf einem guten Weg, das Hauptziel bis zum Projektende im Dezember 2026 zu erreichen.»
Fachkräftemangel wird entschärft
«Die APN in Hausarztpraxen haben grosses Potenzial und bringen einen spürbaren Mehrwert. Einerseits, indem sie einen Beitrag zur Sicherung der Grundversorgung leisten und andererseits, indem sie den Fachkräftemangel sowohl im Hausarztbereich als auch im Pflegeberuf entschärfen», so Regierungspräsidentin Michaela Tschuor, Vorsteherin des Gesundheits- und Sozialdepartements. Zudem bestehe die Erwartung, dass durch die Weiterbildung zur APN und deren Integration in die medizinische Versorgung der Pflegeberuf für Fachkräfte noch attraktiver werde.
Thekla Brunkert, Assistenzprofessorin für Interprofessional Primary Care am Zentrum für Hausarztmedizin und Community Care der Universität Luzern und Projektleiterin: «Die APN sind gut in den Praxisteams angekommen. Sie führen vielfältige pflegerische und delegierte Aufgaben aus, beispielsweise Sprechstunden in der hausärztlichen Praxis, Hausbesuche oder Pflegeheimvisiten.»
Wertvolle und entlastende Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen
Dr. med. Damiano Poncini vom «medici ärztezentrum» in Zell nimmt am kantonalen Pilotprojekt teil. «Mittlerweile wissen alle, welche Patientengruppen die Pflegeexpertin APN in unserer Hausarztpraxis versorgen kann und welche nicht, was ihr ein selbstständigeres Arbeiten ermöglicht», so Dr. med. Damiano Poncini. Auch werde die APN von den Patientinnen und Patienten sehr geschätzt.
Vanessa Seydel, Pflegeexpertin APN im «medici ärztezentrum» in Zell, bestätigt: «Auch Patientinnen und Patienten begrüssen meine Rolle als APN und geben mir positive Rückmeldungen zu meiner Arbeit. Die Zusammenarbeit mit den Ärztinnen und Ärzten findet auf Augenhöhe statt.»
Für Elena Viviroli, Pflegeexpertin APN bei Hausärzte Willisau, bestehen insbesondere über die Abrechnung der APN-Leistungen noch viele Unklarheiten. Deshalb sei das Luzerner Projekt so wichtig, denn es soll wegweisende Erkenntnisse über die Kosten und den Nutzen eines Einsatzes von APN liefern.
Auch für die Pflegeheime ist der Einsatz von APN ein Gewinn: «Sie nehmen sich Zeit, mit den Bewohnenden ins Gespräch zu kommen und können pflegerische wie auch medizinische Herausforderungen aus einer Metaperspektive betrachten», so Erika Stutz, Geschäftsleiterin der Residio AG, die in Hochdorf zwei Pflegeheime betreibt. Die APN führen die Visiten in Delegation der ärztlichen Fachperson durch, besprechen Befunde und Fragen mit den Pflegefachpersonen des Pflegeheims, visitieren die Bewohnenden, führen körperliche Untersuchungen und medizinaltechnische Verrichtungen wie beispielsweise Blutentnahmen durch. «Die Rolle der APN ist angesichts des demografischen Wandels von zentraler Bedeutung.»
Das Projekt «Integration von Pflegeexpertinnen und -experten APN in die medizinische Grundversorgung: Luzerner Modell» verfolgt neben der Verankerung dieser Berufsgruppe in der Grundversorgung weitere Ziele: Durch die Integration von APN in Hausarztpraxen soll die medizinische Grundversorgung nachhaltig verbessert und gestärkt werden. Da die APN verschiedene spezifische Aufgaben übernehmen, können sie die Hausärztinnen und -ärzte entlasten. Im Rahmen des Projekts soll deshalb ein Konsens über die Tätigkeiten der APN in der Grundversorgung erarbeitet werden, wobei auch ökonomische Aspekte berücksichtigt werden. Das Projekt soll zudem die Teamarbeit zwischen den APN und Hausärztinnen und -ärzten fördern, stärken und verankern, um eine optimale und umfassende Patientenversorgung zu gewährleisten.


