
Linda Russi (ganz links) und Christoph Müller (ganz rechts), NRP-Fachstelle Uri überreichten den Referentinnen und Referenten ein Präsent mit Urner Spezialitäten, v.l.n.r.: Nadja Germann, Maurus Stöckli, Stéphanie Oetterli, Patrick Corbat und David Kramer.
Die 17. NRP-Konferenz Zentralschweiz in Altdorf widmete sich der überkantonalen Zusammenarbeit in der Regionalentwicklung. Erfahrungen aus dem überkantonalen Programm San Gottardo sowie aus überkantonalen Projekten aus dem Tourismus und der Holzindustrie zeigten, wie solche Vorhaben wirtschaftliche Potenziale erschliessen können. Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit über Kantonsgrenzen hinweg sind ein gemeinsames Thema, ein erkennbarer wirtschaftlicher Nutzen sowie gegenseitiges Verständnis für unterschiedliche Strukturen und Arbeitsweisen.
Über 50 Teilnehmende aus der Zentralschweizer Wirtschaft, Tourismus und der öffentlichen Verwaltung trafen sich am Montag, 2. November, in Altdorf zur 17. Zentralschweizer NRP-Konferenz. Die Konferenz findet jährlich in einem der Zentralschweizer NRP-Kantone statt und widmet sich aktuellen Themen der Regionalentwicklung. Zur diesjährigen Konferenz lud Linda Russi, Leiterin NRP-Fachstelle des Kantons Uri. Der Urner Volkswirtschaftsdirektor Urban Camenzind richtete ein Grusswort an die Teilnehmenden. Dabei ging er unter anderem darauf ein, dass Arbeitsmärkte, Verkehrsachsen, Wertschöpfungsketten aber auch gesellschaftliche Herausforderungen nicht an politische Grenzen halten und daher das Denken, Planen und Handeln über Grenzen hinweg notwendig ist. Die Teilnehmenden erhielten im Anschluss einen Einblick auf die Sichtweise des Bundes auf die überkantonale Zusammenarbeit in der Regionalentwicklung und erfuhren Interessantes über die Arbeit des Programms San Gottardo, dem die Kantone Uri, Graubünden und Tessin angehören. Zwei Projektträgerschaften aus dem Tourismus und der Holzindustrie berichteten über ihre Erfahrungen innerhalb überkantonaler Projekte. Abgerundet wurde die Konferenz durch den Urner Regionalmanager Rolf Infanger, der die wichtigsten Erkenntnisse aus den vier Referaten in einem kurzen Rückblick zusammenfasste.
Wirtschaftsräume als Ausgangspunkt
David Kramer, Co-Leiter des Ressorts Regional- und Raumordnungspolitik beim Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), erläuterte den Blickwinkel des Bundes. Wirtschaftliche Beziehungen richten sich häufig nach Unternehmensnetzwerken, Wertschöpfungsketten und Verkehrsströmen und reichen damit über politische Grenzen hinaus. Die Neue Regionalpolitik soll sich an solchen funktionalen Räumen orientieren. Deren Abgrenzung ist je nach Vorhaben unterschiedlich. Entscheidend ist, welche Partner und Gebiete für ein Projekt sinnvoll zusammengehören. Im Vordergrund stehen für den Bund der effiziente Einsatz der Mittel und die wirtschaftliche Wir-kung. Die überkantonale Vernetzung trägt dazu bei, vorhandene Potenziale besser zu nutzen und die Wertschöpfung in den Regionen zu erhöhen.
Unterschiedliche Voraussetzungen zusammenführen
Wie anspruchsvoll dieser Ansatz im Alltag sein kann, zeigte Nadja Germann, Geschäftsstellenleiterin des Programms San Gottardo, auf. Das gemeinsame NRP-Programm der Kantone Uri, Graubünden und Tessin unterstützt die wirtschaftliche Entwicklung des Gotthardraums. Geförderte Projekte müssen in mindestens zwei der beteiligten Kantone eine wirtschaftliche Wirkung erzielen. Damit verbindet das Programm Regionen mit unterschiedlichen Sprachen, Kulturen, Verwaltungsstrukturen und wirtschaftlichen Herausforderungen. Erfolgreiche Zusammenarbeit setzt laut Germann voraus, die Verhältnisse und die zuständigen Personen in den Partnerkan-tonen zu kennen. Ebenso wichtig sind gegenseitiger Respekt, transparente Abläufe und die Bereitschaft, sich auf andere Arbeitsweisen einzulassen.
Gemeinsame Angebote im Tourismus
Maurus Stöckli, Geschäftsführer der Uri Tourismus AG, berichtete über das Projekt «Kleinseilbahnabenteuer der Ur-Schweiz». Unter dem Namen «OBSI+NIDSI» werden mehr als 60 Kleinseilbahnen in Uri, Obwalden und Nidwalden über eine gemeinsame Webplattform sichtbar gemacht und mit touristischen Angeboten verknüpft. Die Bahnen erschliessen Wandergebiete, Alpen und Berggasthäuser und bilden zugleich selbst einen Teil des Bergerlebnisses. Der überkantonale Ansatz ermöglicht es, Wissen und Mittel zu bündeln sowie Betreiber und touristische Partner zu vernetzen. Stöckli betonte, dass Zusammenarbeit Zeit benötigt. Das verbindende Thema müsse im Zentrum stehen und sei am Anfang eines solchen Projekts wichtiger als gemeinsame Strukturen.
Neue Wertschöpfung mit Schweizer Laubholz
Die industrielle Perspektive brachten Patrick Corbat und Stéphanie Oetterli mit dem Projekt Fagus Suisse ein. Im Zentrum stand der überkantonale Weg zu einem Produktionszentrum für Leimholz aus Laubholz im jurassischen Les Breuleux. Dort entstehen aus Buchenholz Bauteile für den konstruktiven Holzbau. Das Vorhaben verbindet die regionale Holznutzung mit der Entwicklung neuer Produkte und einer industriellen Verarbeitung in der Schweiz. Damit veranschaulichte das Beispiel, wie sich durch die Verbindung von Rohstoffen, Fachwissen und Produktionskapazitäten neue Anwendungen und zusätzliche Wertschöpfung erschliessen lassen.
Persönliche Kontakte als Grundlage
Im Schlusswort führte Rolf Infanger vom Regionalmanagement Uri die Erfahrungen zusammen. Die Referate machten deutlich, dass gemeinsame Themen und ein erkennbarer Nutzen die Grundlage für tragfähige Partnerschaften bilden. Dazu kommen persönliche Kontakte und die Bereitschaft, unterschiedliche Voraussetzungen zu berücksichtigen. Infanger ermunterte die Teilnehmenden, bestehende Kooperationen weiterzuentwickeln und neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuloten. Der anschliessende Stehlunch bot den Konferenzteilnehmenden Gelegenheit, Kontakte zu vertiefen und Ideen für gemeinsame Vorhaben zu besprechen.
Neue Regionalpolitik (NRP)
Die Neue Regionalpolitik (NRP) ist ein Förderinstrument von Bund und Kantonen, mit dem die wirtschaftliche Entwicklung insbesondere in Berggebieten, ländlichen Regionen und Grenzregionen gestärkt werden soll. Ziel ist es, Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten, die Wettbewerbsfähigkeit der Regionen zu verbessern und ihre Attraktivität als Wirtschafts- und Lebensraum langfristig zu sichern. Dazu unterstützen Bund und Kantone gemeinsam innovative Projekte durch finanzielle à fonds perdu-Beiträge und zinsgünstige oder zinslose Darlehen.
Weitere Informationen zur Neuen Regionalpolitik sind unter folgenden Links zu finden: www.ur.ch oder www.regiosuisse.ch
Das Urner Regionalmanagement berät und unterstützt Projektträgerschaften im Hinblick auf eine mögliche Unterstützung durch die NRP oder bei der Erarbeitung der Projekteingabe: www.gemeindeverband.ch/
Rückfragen von Medienschaffenden:
Regierungsrat Urban Camenzind, Urban.Camenzind@ur.ch, +41 41 875 2100
