Die Kantone Luzern und Basel-Landschaft setzen gemeinsam das Ressourcenprojekt «Slow Water» zum Rückhalt von Wasser im Kulturland um. «Slow Water» hat zum Ziel, Regenwasser vermehrt in den Böden zu speichern und das Abfliessen zu verlangsamen. Zusammen mit Landwirtschaftsbetrieben und Gemeinden werden verschiedene hydrotechnische und agronomische Massnahmen zur Wasserretention umgesetzt und deren Wirkung untersucht.
Der Klimawandel führt zunehmend zu Wetterextremen wie Hitze, Trockenheit und Starkniederschlägen. Dies ist derzeit auch in der Schweiz deutlich spürbar mit einer der markantesten Trockenperioden seit Beginn der Messungen. Anhaltende Hitze- und Trockenperioden führen zu grossen Herausforderungen in der Landwirtschaft – sei dies im Acker- und Futterbau, bei den Spezialkulturen oder auch in der Tierhaltung. Auf der anderen Seite treten auch Starkregenereignisse, bei welchen in kurzer Zeit viel Niederschlag fällt, immer häufiger auf. Sie führen zur Erosion fruchtbarer Böden und verursachen durch hohe Wasserabflüsse Schäden an der Infrastruktur. Entsprechend sind Lösungen gefragt, wie das Regenwasser besser genutzt, die Ertragsfähigkeit in der Landwirtschaft gesichert und die Trinkwasserversorgung der Gemeinden sichergestellt werden können.
Individuelle Retentionsstrategien finden Anklang
Das Projekt «Slow Water» setzt genau dort an: In den Gemeinden Luthern, Hergiswil, Willisau, Menznau, Romoos und Reiden im Kanton Luzern sowie in elf Gemeinden im Oberbaselbiet werden betriebsindividuelle, einzugsgebietsbezogene Retentionsstrategien in Zusammenarbeit mit den Gemeinden und ihren Landwirtinnen und Landwirten entwickelt. Die beiden Projektperimeter im Kanton Luzern und Basel-Land unterscheiden sich primär in der jährlichen Niederschlagsmenge, der Speicherfähigkeit der Böden und in der landwirtschaftlichen Nutzung. Mit dem Projekt «Slow Water» werden verschiedene Massnahmen zur Wasserspeicherung und Bodenverbesserung gefördert. Dazu gehören Retentionsteiche, Versickerungsgräben oder -mulden sowie die Regenwassersammlung von Dächern. Ebenfalls unterstützt wird die nachhaltige Wasserführung im Gelände durch sogenannte Keylines, der Humusaufbau auf Bewirtschaftungsflächen sowie Hecken, Agroforst und Obstgärten. Ergänzt werden diese Massnahmen durch Untersaaten, Zwischensaaten und eine schonende Bodenbewirtschaftung.
Das Ressourcenprojekt «Slow Water» ist auf ein positives Echo gestossen. In den ersten zweieinhalb Jahren haben im Kanton Luzern rund 110 Landwirtinnen und Landwirte Interesse an einer Beratung angemeldet. Knapp 80 Retentionsstrategien wurden erarbeitet und 57 Betriebe haben eine Vereinbarung für die Umsetzung von Retentionsmassnahmen unterzeichnet. Auf 27 Betrieben wurde mit der Umsetzung begonnen und vier Betriebe haben die Umsetzung ihrer Massnahmen bereits abgeschlossen.
Das Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung (BBZN) übernimmt im Projekt die Beratungsaufgaben und die Koordination. Die Projektleitung ist bei der Dienststelle Landwirtschaft und Wald (lawa). Die Universität Basel (Wirkungsmonitoring), die seecon gmbh (integrales Wassermanagement) und Agridea (Beratungs- und Informationstools) sind Projektpartner. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) und die beiden Kantone Luzern und Basel-Land unterstützen das Projekt finanziell.
Anhang
Weitere Informationen zu «Slow Water»
Infofilm Slow Water – «Wassermanagement in der Landwirtschaft»
Bild Keyline nach Fertigstellung (Foto: Johannes Heeb)
Bild Mit Wasser gefüllte Keyline nach Regenereignis (Foto: Markus Schwegler)
Bild Versickerungsgraben in Kombination mit Baumreihe (Foto: Johannes Heeb)
Bild Retentionsteich zum Regenwasserrückhalt aus Keylines (Foto: Johannes Heeb)

