Mehr als 85 Werke erklangen 2026 erstmals bei Lucerne Festival
Luzern, 11. September 2026. Am kommenden Sonntag, dem 13. September, endet die erste Sommer-Ausgabe des neuen Lucerne Festival-Intendanten Sebastian Nordmann mit einer sehr erfreulichen Bilanz. Die 25 grossen Sinfoniekonzerte erreichten eine Auslastung von 93 Prozent; 15 davon waren ausverkauft. Die Gesamtauslastung betrug 89 Prozent. Bei einem gegenüber 2025 leicht reduzierten Veranstaltungsangebot (53 statt 64 Kaufveranstaltungen) besuchten insgesamt 81’000 Personen das Festival, das unter dem Motto «American Dreams» stand und 32 Tage dauerte. 54’000 Gäste kamen zu den Kaufveranstaltungen, weitere 27’000 Personen nutzten die kostenfreien Angebote.
Ausverkauft waren unter anderem die Abende mit dem West-Eastern Divan Orchestra und Daniel Barenboim, mit dem Lucerne Festival Orchestra und Anne-Sophie Mutter sowie die beiden Konzerte der Berliner Philharmoniker. Auch das Festival-Finale am kommenden Sonntag, Gershwins Porgy and Bess, ist bereits ausgebucht.
Das Motto spiegelte sich auf vielfältige Weise im künstlerischen Programm: Amerikanische Stars wie Joyce DiDonato, Hilary Hahn, Doreen Ketchens oder Mark und Maggie O’Connor traten erstmals bei Lucerne Festival auf, Yo-Yo Ma war nach elf Jahren wieder zu erleben. Über 50 Werke amerikanischer Komponist*innen wurden aufgeführt – Kammermusik von Amy Beach bis zu Steve Reich, sinfonische Werke von Samuel Barber bis zu Charles Ives oder auch Frank Zappas The Yellow Shark. Über 85 Werke standen zum ersten Mal auf dem Programm. Zudem debütierten zahlreiche junge Stars wie
Frank Dupree, Alexandre Kantorow, Yunchan Lim und Hayato Sumino bei Lucerne Festival.
«Ich bin begeistert, wie die besondere Festivalatmosphäre im vergangenen Monat in ganz Luzern spürbar war, sowohl beim neuen ‹Klassik für alle: Open Air› auf dem Europaplatz, bei ‹In den Strassen: City Stage› oder auch im akustisch fantastischen Konzertsaal des KKL Luzern», kommentiert
Intendant Sebastian Nordmann. «Unvergesslich ist der fulminante Einstand unseres neuen Academy- Leiters Jörg Widmann mit Wolfgang Rihms Tutuguri. Zu den bleibenden Höhepunkten zählen für mich ausserdem die Konzerte unseres Lucerne Festival Orchestra, Anne-Sophie Mutters Auftritte zu ihrem 50. Bühnenjubiläum sowie die vielen Sternstunden im Zeichen unseres Mottos ‹American Dreams›.»
Mit innovativen Formaten und Events öffnete Sebastian Nordmann das Festival für weitere
Besuchergruppen: 4’500 Personen kamen am 13. August zum «Klassik für alle: Open Air» auf dem Europaplatz und 1’830 zur «Ouvertüre» im Konzertsaal, dem neuen Pre-Opening, 6’100 zum neu konzipierten «In den Strassen: City Stage». 1’250 Gäste besuchten die «Lakeside Symphony» auf dem Inseli. Das erweiterte Angebot «Luege, Lose, Erläbe», ein Kind oder einen Jugendlichen für CHF 10 mit ins Konzert zu nehmen, wurde sehr gut angenommen. Das neue Abonnement «Fankurve» mit attraktiven Tickets für vier Konzerte mit dem Lucerne Festival Orchestra war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft.
Insgesamt konnten 4’200 Schüler*innen erreicht werden, unter anderem mit Schulkonzerten mit den Berliner und Münchner Philharmonikern, dem neuen Format «Klassikzimmer», dem
Nachhaltigkeitsprojekt «Traumoase» und den «Debuts im Schulhaus».
Grosses Festivalfinale am Wochenende
Passend zum Motto stehen noch einige der letzten Festival-Konzerte am kommenden Wochenende im Zeichen Amerikas: Heute Abend, am 11. September, tritt die amerikanische Dichterin Amanda Gorman gemeinsam mit dem Cellisten Jan Vogler auf. Der Samstag bietet ein Orgelrezital mit Thomas
Ospital, der Variationen über zwei amerikanische Nationalhymnen spielt; am Abend bringt die
Marching-Band MEUTE das KKL Luzern mit technoidem Brass-Sound auf akustischen Instrumenten zum Beben. Der Sonntag beginnt mit der Matinee «Trance» des Ensemble Helix, dem Studio für zeitgenössische Musik der Hochschule Luzern – Musik, unter der Leitung von Gregory Charette. Am Sonntagnachmittag beschliesst George Gershwins Oper Porgy and Bess das Festival – mit dem Chineke! Orchestra und der Cape Town Opera unter der Leitung von Enrique Mazzola.
Line-up der grossen internationalen Orchester und Solist*innen
Den Festivalauftakt gestaltete traditionell das Lucerne Festival Orchestra mit Chefdirigent Riccardo Chailly bei der zweitägigen Eröffnung. Insgesamt bestritt es sechs Konzerte und zwei Ausgaben von «Klassik für alle: 40min» – mit Riccardo Chailly sowie mit Klaus Mäkelä, Anne-Sophie Mutter und Jakub Hrůša. Es traten 20 Sinfonieorchester im Sommer-Festival auf, darunter die Berliner Philharmoniker mit Kirill Petrenko, die Wiener Philharmoniker mit Tugan Sokhiev, das Royal Concertgebouw Orchestra mit Santtu-Matias Rouvali, The Met Orchestra mit Yannick Nézet-Séguin, das Pittsburgh Symphony Orchestra mit Manfred Honeck sowie das Konzerthausorchester Berlin, das unter der Leitung von Duncan Ward erstmals beim Festival gastierte.
Augustin Hadelich spielte als «artiste étoile» vier Konzerte. Er spannte einen weiten musikalischen Bogen: von der «Fiddle Night» über ein Rezital und einen Auftritt mit dem Lucerne Festival Orchestra unter Klaus Mäkelä bis zu Beethovens Violinkonzert mit den Berliner Philharmonikern. Darüber hinaus
traten Martha Argerich, Cecilia Bartoli, Isabelle Faust, Elisabeth Leonskaja, Víkingur Ólafsson und viele andere grosse Stars auf. Die Geigerin Anne-Sophie Mutter feierte ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum und ihren 50. Auftritt bei Lucerne Festival in unterschiedlichsten Konzertformaten mit Repertoire von
Mozart bis Penderecki sowie der Schweizer Erstaufführung von Likoo, einem Werk der iranischen Komponistin Aftab Darvishi.
Erfolgreicher Start der Lucerne Festival Academy mit Jörg Widmann
Jörg Widmann prägte erstmals als neuer künstlerischer Leiter die Lucerne Festival Academy 2026.
Am Dirigentenpult des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) startete er die Akademie am Eröffnungswochenende mit Wolfgang Rihms monumentalem Werk Tutuguri. Insgesamt waren sechs Konzerte des LFCO zu erleben, das Composer Seminar für Orchesterwerke mit Dieter Ammann und
Unsuk Chin und insgesamt 12 Uraufführungen sorgten für Höhepunkte im Contemporary-Programm. Die Klarinettist*innen des LFCO und des Lucerne Festival Orchestra traten gemeinsam beim Pre- Opening sowie beim Eröffnungskonzert auf, vier Dirigent*innen nahmen am Contemporary- Conducting Program unter der Leitung von Baldur Brönnimann teil. Das LFCO gastierte mit Tutuguri zudem am 2. September beim Musikfest Berlin in der Philharmonie und am 6. September in der Isarphilharmonie in München im Rahmen der musica viva-Konzertreihe des Bayerischen Rundfunks.
«In den Strassen: City Stage» präsentierte sieben Projekte in der Innenstadt von Luzern und zog
künstlerische Querverbindungen zum Sommer-Thema «American Dreams» – drei der Projekte wurden von guerillaclassics kuratiert. Musiker*innen des LFCO traten unter anderem mit der Klarinettistin Doreen Ketchens auf, Joseph Sieber dirigierte das LFCO in einer «Symphonic Jukebox». Mark Andre war als composer-in-residence präsent. Es erklang sein Orchestertriptychon
Im Entschwinden – Im Entfalten – Im Entsiegeln 1 wie auch sein Klarinettenkonzert über für Jörg
Widmann, der selbst den Solopart übernahm. Weitere zeitgenössische Highlights waren Hans Werner Henzes Sinfonia N. 9 im Rahmen des räsonanz – Stifterkonzerts in Kooperation mit der Ernst von Siemens Musikstiftung, die Uraufführung der diesjährigen «Roche Commissions» Tongue of the Land von Liza Lim unter der Leitung von Peter Rundel, Frank Zappas The Yellow Shark und Endangered Dreams von Jalalu-Kalvert Nelson. Das Musiktheater Eight Songs for a Mad King von Peter Maxwell Davies und die Uraufführung der Oper Medeas Monolog der britischen Komponistin Bushra El-Turk fanden im Rahmen der diesjährigen Kooperation mit dem Luzerner Theater statt, für weitere Termine in den kommenden Wochen gibt es noch Karten.


