Rund sechs Monate nach der Inbetriebnahme der WOV und drei Monate nach Fertigstellung des Knotens Schächen liegen erste Ergebnisse der Verkehrsmessungen in Schattdorf vor. Diese zeigen eine markante Entlastung der Gotthardstrasse und anderer Hauptachsen im Siedlungsgebiet. Gleichzeitig werden lokale Entwicklungen im Dorfzentrum vertieft analysiert, denn hier weist die Dorfstrasse als einzige Strasse Mehrverkehr auf. Erste Massnahmen wurden bereits eingeleitet.
Seit Jahren wird im Talboden der Verkehr im gesamten Netz systematisch gemessen. Rund drei Monate nach Fertigstellung des Knotens Schächen sowie rund ein halbes Jahr nach der Inbetriebnahme der WOV wurden am 16. April 2026 der Gemeinde Schattdorf erste Ergebnisse der Verkehrsflüsse präsentiert. Diese zeigen eine klare Tendenz: An mehreren neuralgischen Punkten ist die Verkehrsbelastung deutlich zurückgegangen.
Gotthardstrasse Schattdorf – 3600 Fahrten weniger
Auf der Gotthardstrasse im Bereich Grüner Wald fahren täglich rund 3600 Fahrzeuge weniger als in den Vergleichsjahren. Im südlichen Teil der Gotthardstrasse, also beim Arbeits- und Industriegebiet, beträgt die Verkehrsabnahme rund 2000 Fahrten. Auch auf der Rüttistrasse ist der Verkehr um über 1000 Fahrzeuge pro Tag zurückgegangen. Insgesamt wird das Siedlungsgebiet damit spürbar entlastet. Gleichzeitig wird die WOV mit rund 6500 bis 7000 Fahrzeugen pro Tag gut genutzt und übernimmt eine zentrale Funktion im Verkehrssystem. Insgesamt zeigt sich, dass durch die Inbetriebnahme der WOV bereits heute das Siedlungsgebiet von Schattdorf vom reinen Durchgangsverkehr spürbar entlastet wird und man auf gutem Wege ist, die gewünschten Verlagerungsziele zu erreichen.
Dorfstrasse und Adlergarten werden nun unter die Lupe genommen
Während die Hauptachsen entlastet werden, zeigt sich auf der Dorfstrasse in Schattdorf eine andere Entwicklung: Dort kommt es zu rund 1100 Fahrten mehr als in den Vergleichsjahren. «Diese Entwicklung überrascht uns – und sie ist nicht zufriedenstellend», sagt Baudirektor Hermann Epp. Auffällig ist jedoch: Der Mehrverkehr zeigt sich nicht im gesamten Dorf. Auf der Adlergartenstrasse bleibt das Verkehrsaufkommen unverändert. Das deutet darauf hin, dass der Transit abgenommen hat, aber die Verkehrsströme sich innerhalb des Dorfs verlagern. «Die Ursachen und Wechselwirkungen müssen wir hier unbedingt noch besser verstehen», sagt Hermann Epp.
Genau dafür wird eine Nummernschilderhebung durchgeführt. Sie soll zeigen, woher die Fahrzeuge kommen und wohin sie fahren. Damit kann klar zwischen Durchgangsverkehr sowie Ziel- und Quellverkehr unterschieden werden. «Der Verkehr verschwindet nicht – er verlagert sich. Wir schauen das mit der Gemeinde sehr genau an», sagt Hermann Epp.
Gezielte Nachbesserungen wo nötig
Die flankierenden Massnahmen (FlaMa) wurden gemäss Auftrag des Landrats bewusst in einer minimalen Variante umgesetzt. Verkehrsmassnahmen sollen nur dort gesetzt werden, wo sie gezielt den Transitverkehr umlenken. Dazu bestehen Vereinbarungen zwischen dem Kanton und den Gemeinden Altdorf, Bürglen und Schattdorf. Darin sind die Ziele zur Verkehrsreduktion im Dorf festgehalten und dass bei Bedarf nachgebessert wird.
Bereits jetzt umgesetzt werden Massnahmen, die einem Wunsch der Bevölkerung entsprechen. Dazu gehören Überprüfung der Signalisationen, Anpassungen der Markierungen und Anpassungen der Rangierzeiten der Züge, die die Rynächtstrasse kreuzen etc. «Diese kurzfristigen und sinnvollen Optimierungen in der Verkehrssicherheit und Verkehrslenkung gehen selbstverständlich Hand in Hand mit der Gemeinde», sagt Hermann Epp.
System noch nicht vollständig
Hermann Epp weist darauf hin, dass das Verkehrssystem im Urner Talboden noch nicht vollständig ist. Mit dem geplanten A2-Halbanschluss Altdorf Süd fehlt ein zentrales Element zur weiteren Entlastung der Siedlungsgebiete. Die Wirkung der WOV wird sich deshalb erst im Zusammenspiel mit den weiteren Ausbauschritten vollständig entfalten. «Das Ziel bleibt unverändert, den Durchgangsverkehr aus den Siedlungsgebieten zu reduzieren und die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern. Die ersten Daten zeigen erfreulicherweise, dass wir hier gemeinsam auf einem sehr guten Weg sind», sagt Baudirektor Hermann Epp.

